Die häufigsten Krypto-Betrugsmaschen und wie Sie sich davor schützen
Die Welt der Kryptowährungen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und für die breite Öffentlichkeit zugänglicher geworden. Mit diesem Wachstum nehmen jedoch auch neue Bedrohungen und Betrugsmaschen zu, vor denen man sich in Acht nehmen sollte.

Zahlungen mit Kryptowährungen unterscheiden sich deutlich von herkömmlichen Zahlungen. Transaktionen sind in der Regel unwiderruflich und unterliegen weder demselben Verbraucherschutzniveau noch denselben Regeln wie Kartenzahlungen. Wenn Sie Kryptowährungen an eine falsche Adresse oder an einen Betrüger senden, kann Ihnen nur der Empfänger die Mittel zurückerstatten.
Gleichzeitig sind Transaktionen nicht vollständig anonym, sondern pseudonym. Die meisten von ihnen werden in einer öffentlich zugänglichen Blockchain aufgezeichnet, in der der gesendete Betrag, die Adresse des Absenders und die Adresse des Empfängers eingesehen werden können. In einigen Fällen lassen sich diese Adressen einer bestimmten Person zuordnen, beispielsweise wenn sie einem Nutzer gehören, der bei einer Kryptobörse oder einer anderen Plattform für Krypto-Dienstleistungen registriert ist. Informationen darüber, wem eine bestimmte Adresse gehört, liegen jedoch in der Regel bei diesen Plattformen und nicht bei gewöhnlichen Nutzern des Netzwerks.
Die häufigsten Warnsignale für Betrug
Kryptowährungen gehören zu den bedeutendsten Innovationen des 21. Jahrhunderts und eröffnen neue Möglichkeiten im Bereich Finanzen und digitales Eigentum. Ihre Beliebtheit und ihre besonderen Eigenschaften schaffen jedoch leider auch Raum für betrügerische Systeme und Cyberkriminalität. Bevor Sie Geld oder Kryptowährungen versenden, sollten Sie daher immer auf Warnsignale achten, die auf einen Betrug hindeuten können:
- jemand verlangt von Ihnen eine Zahlung ausschließlich in Kryptowährung,
- jemand verspricht Ihnen garantierte Gewinne oder hohe Renditen ohne Risiko,
- jemand fordert Sie auf, Kryptowährungen im Voraus zu senden,
- jemand bietet Ihnen „kostenlose“ Kryptowährungen oder eine Vervielfachung Ihrer Token an,
- jemand kontaktiert Sie unerwartet mit einem Investitionsangebot,
- jemand verlangt eine Gebühr für die Vermittlung einer Arbeitsstelle,
- jemand gibt sich als Unternehmen, Bank, Behörde oder bekannte Persönlichkeit aus.
Anlagebetrug
Betrüger geben sich häufig als Investmentmanager aus und überzeugen Menschen davon, Kryptowährungen zu kaufen und an eine gefälschte Plattform zu senden. Diese kann vermeintliche Gewinne anzeigen, die Auszahlung der Mittel ist später jedoch nicht möglich oder an die Zahlung weiterer Gebühren beziehungsweise die Einzahlung zusätzlicher Gelder gebunden.
Auch Investitionsangebote von Personen aus Dating-Apps oder sozialen Netzwerken sind riskant. Wenn jemand, den Sie nie persönlich getroffen haben, Sie zu einer Investition überreden möchte oder Kryptowährungen von Ihnen verlangt, handelt es sich wahrscheinlich um Betrug.
Gefälschte Unternehmen, Behörden und Stellenangebote
Betrüger können sich als Banken, Kurierunternehmen, Technologieunternehmen oder staatliche Behörden ausgeben. Sie behaupten beispielsweise, Ihr Konto sei gefährdet und Sie müssten Ihr Geld durch den Kauf und die Überweisung von Kryptowährungen „schützen“.
Kein seriöses Unternehmen und keine staatliche Behörde wird Sie dazu auffordern, ein Problem durch die Überweisung von Kryptowährungen an eine unbekannte Wallet zu lösen. Seien Sie auch bei Stellenangeboten vorsichtig, bei denen Sie vorab eine Gebühr bezahlen, Kryptowährungen kaufen oder Geld an angebliche Kunden senden sollen.
Die häufigsten Arten von Krypto-Betrug
1. Anlagebetrug und Ponzi-Systeme
Anlagebetrug im Zusammenhang mit Kryptowährungen lockt mit Renditen, die zu gut sind, um wahr zu sein. Dabei werden gefälschte Handelsplattformen oder erfundene Portfolioübersichten eingesetzt. Die Opfer senden echtes Geld und beobachten gefälschte Gewinne, bis sie versuchen, diese auszuzahlen. Während das Opfer noch von den angeblichen Renditen begeistert ist, verlangt der Betreiber weitere „Gebühren“ oder „Steuern“ und verschwindet anschließend.
Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Betrugsformen, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Es empfiehlt sich daher, über geprüfte Plattformen mit nachweisbarer Historie zu investieren. In der Europäischen Union müssen solche Anbieter heutzutage gemäß dem MiCA-Rechtsrahmen reguliert sein.
2. Manipulation nach dem Prinzip „Pig Butchering“
„Pig Butchering“ gehört zu den am weitesten verbreiteten Krypto-Betrugsmaschen. Dabei werden langfristiger Vertrauensaufbau und Anlagebetrug miteinander kombiniert. Über Wochen oder Monate gewinnen Betrüger das Vertrauen ihrer Opfer über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder Dating-Plattformen.
Sobald sie das Vertrauen des Opfers gewonnen haben, empfehlen sie Investitionen in Kryptowährungen über eine scheinbar seriöse Plattform, die in Wirklichkeit von ihnen selbst kontrolliert wird. Das Opfer sieht auf der Plattform häufig fiktive Gewinne, wodurch es motiviert wird, immer höhere Beträge zu investieren. Beim Versuch, die Mittel auszuzahlen, werden jedoch weitere Gebühren oder Steuern verlangt, während das Geld bereits nicht mehr zurückgewonnen werden kann.
Wie können Sie sich schützen? Investieren Sie niemals aufgrund der Empfehlung einer Person, die Sie nur aus dem Internet kennen, und überprüfen Sie stets die Vertrauenswürdigkeit der Investitionsplattform und des Dienstleisters.
3. Bitcoin-Betrug und Phishing-Websites
Bei Phishing-Betrug erstellen Angreifer nahezu identische Kopien legitimer Kryptobörsen, Wallets oder anderer Dienste, um Anmeldedaten, Zahlungsinformationen oder Seed-Phrases von Nutzern zu stehlen.
Beispiel: Ein Nutzer erhält eine E-Mail oder Nachricht mit dem Hinweis, sein Konto sei angeblich gehackt worden und er müsse sich umgehend über den beigefügten Link anmelden. Dieser leitet ihn auf eine gefälschte Website weiter, die wie eine echte Kryptobörse aussieht. Nach der Eingabe der Anmeldedaten gelangen diese in die Hände der Betrüger, die anschließend versuchen können, auf das Konto zuzugreifen und die finanziellen Mittel abzuheben.
Überprüfen Sie deshalb vor jeder Anmeldung die Internetadresse, nutzen Sie ausschließlich offizielle Websites und geben Sie Ihre Seed-Phrase niemals in ein Formular ein oder an eine andere Person weiter. Seriöse Dienste werden Sie niemals danach fragen.
4. Rug Pulls und Exit-Scams im DeFi-Bereich
Bei dieser Art von Betrug entwickeln die Verantwortlichen einen neuen Token oder ein DeFi-Projekt, das anschließend intensiv in sozialen Netzwerken und mithilfe von Influencern beworben wird. Nachdem genügend Investoren gewonnen wurden und der Wert des Tokens gestiegen ist, können die Entwickler plötzlich die Liquidität aus dem Projekt abziehen oder große Mengen ihrer eigenen Token verkaufen. Der Preis fällt daraufhin stark und Anleger können einen erheblichen Teil oder sogar ihre gesamte Investition verlieren.
Rug Pulls gehören zu den häufigsten Risiken im Bereich der dezentralen Finanzen, kurz DeFi. Angreifer nutzen häufig aggressives Marketing, Versprechen hoher Renditen und künstlich erzeugtes Interesse am Projekt, um möglichst viele Investoren anzulocken. Vor einer Investition in einen neuen Token sollten Sie daher das Team hinter dem Projekt, die Transparenz seiner Funktionsweise, die verfügbare Liquidität und vorhandene Sicherheitsaudits überprüfen.
5. Betrügerische Praktiken bei Krypto-Airdrops
Diese Betrugsmaschen nutzen gefälschte Airdrop-Kampagnen, die sich als Aktionen bekannter Projekte ausgeben. Nutzer werden auf Phishing-Seiten gelockt, auf denen sie ihre Wallet verbinden oder ihre Seed-Phrase eingeben sollen. Nach der Unterzeichnung einer schädlichen Transaktion können Angreifer innerhalb weniger Sekunden sämtliche Vermögenswerte aus der verbundenen Wallet stehlen.
Beispiel: Ein Nutzer sieht in einem sozialen Netzwerk ein Angebot für kostenlose Token, das angeblich von einem bekannten Krypto-Projekt stammt. Nach dem Anklicken des Links wird er auf eine gefälschte Website weitergeleitet, die ihn auffordert, seine Wallet zu verbinden und eine Transaktion zu unterzeichnen. Statt den Airdrop zu erhalten, bekommt der Angreifer Zugriff auf seine Vermögenswerte und kann diese aus der Wallet stehlen.
6. Betrug mit Krypto-Geldautomaten
Betrugsfälle im Zusammenhang mit Krypto-Geldautomaten gehören zu den zunehmenden Formen des Krypto-Betrugs. Angreifer geben sich häufig als Mitarbeiter von Banken, staatlichen Behörden, der Polizei oder des technischen Supports aus und kontaktieren ihre Opfer mit der Behauptung, deren Bankkonto sei gehackt oder gesperrt worden.
Anschließend überzeugen sie das Opfer davon, sein Geld zu „schützen“, indem es Bargeld in einen Krypto-Geldautomaten einzahlt und Kryptowährungen an eine vorgegebene Adresse sendet. In Wirklichkeit gelangen die Mittel direkt an die Betrüger und die Transaktion kann in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Diese Betrugsmaschen richten sich häufig gegen ältere Menschen, die möglicherweise nur wenig Erfahrung mit Kryptowährungen haben. Keine legitime Behörde, Bank oder technische Supportstelle wird Sie dazu auffordern, Geld über einen Krypto-Geldautomaten zu senden, um Ihre Mittel zu „schützen“.
7. Romantische Krypto-Betrugsmaschen
Romantische Krypto-Betrugsmaschen sind eine besondere Form des „Pig Butchering“, bei der Angreifer die Gefühle und das Vertrauen ihrer Opfer ausnutzen. Der Betrüger baut zunächst über soziale Netzwerke, Dating-Apps oder Kommunikationsplattformen eine vorgetäuschte romantische oder enge persönliche Beziehung auf.
Nachdem er das Vertrauen des Opfers gewonnen hat, beginnt er, es von einer angeblich attraktiven und geprüften Investitionsmöglichkeit zu überzeugen, die häufig mit Kryptowährungen verbunden ist. Das Opfer investiert möglicherweise schrittweise immer höhere Summen, während der Betrüger es dazu motiviert, eigene Ersparnisse, Kredite oder andere Finanzierungsquellen zu nutzen.
Der Betrug wird in der Regel erst dann erkannt, wenn das Opfer versucht, seine Mittel auszuzahlen, und feststellt, dass die Investitionsplattform oder die vertrauenswürdige Person nicht existiert beziehungsweise nicht mehr erreichbar ist.
8. Schadsoftware zum Leeren von Krypto-Wallets
Sogenannte „Crypto Wallet Drainers“ sind Phishing-Werkzeuge, mit denen Nutzer dazu verleitet werden sollen, eine Transaktion zu genehmigen, die den Diebstahl ihrer Wallet-Guthaben ermöglicht.
Inferno Drainer, einer der am weitesten verbreiteten „Drainer-as-a-Service“-Dienste, konnte innerhalb von sechs Monaten in den Jahren 2024 und 2025 mehr als 30.000 Wallets bestehlen. Solche Werkzeuge werden derzeit über Telegram zum Verkauf angeboten, wobei einige Pakete weniger als 500 US-Dollar kosten.
9. Pump-and-Dump-Systeme
Die Organisatoren dieser Betrugsform kaufen zunächst eine größere Menge eines Tokens mit niedriger Marktkapitalisierung. Anschließend versuchen sie, das Interesse an dem Projekt durch soziale Netzwerke, bezahlte Werbung oder die Beteiligung von Influencern künstlich zu steigern. Wenn der Preis des Tokens aufgrund des erhöhten Interesses deutlich steigt, verkaufen sie ihre Bestände. Dies führt häufig zu einem starken Wertverlust und zu Verlusten für andere Anleger.
Beispiel: Der Token $LIBRA verzeichnete nach seiner Markteinführung und der öffentlichen Unterstützung durch den argentinischen Präsidenten Javier Milei einen starken Anstieg. Seine Marktkapitalisierung erreichte kurzzeitig rund 4,56 Milliarden US-Dollar. Nach Verkäufen durch große Token-Inhaber kam es jedoch zu einem deutlichen Preisverfall. Der Wert des Tokens sank innerhalb weniger Tage um etwa 94 %, wodurch viele Anleger erhebliche Verluste erlitten.
Grafik: Pump and Dump

Quelle: CoinGecko
10. Deepfake-Betrug mithilfe künstlicher Intelligenz
Die Entwicklung künstlicher Intelligenz hat auch Betrügern neue Möglichkeiten eröffnet. Mithilfe der Deepfake-Technologie können sie realistische Videos und Audioaufnahmen erstellen, in denen sie sich als bekannte Persönlichkeiten, Mitarbeiter staatlicher Behörden, Kundendienstmitarbeiter von Kryptobörsen oder Finanzberater ausgeben.
Solche Betrugsmaschen nutzen häufig das vertrauenswürdige Aussehen und die Stimme realer Personen, um Opfer zur Investition in gefälschte Projekte oder zur Preisgabe sensibler Daten zu bewegen. Da mit künstlicher Intelligenz erstellte Inhalte immer realistischer werden, kann ihre Erkennung für gewöhnliche Nutzer schwierig sein.
Beispiel: In einem sozialen Netzwerk erscheint ein gefälschtes Video eines bekannten Unternehmers oder einer öffentlich bekannten Person, die angeblich eine bestimmte Kryptowährung empfiehlt und hohe Renditen verspricht. In Wirklichkeit wurden sowohl das Video als auch die Stimme mithilfe von Deepfake-Technologie erzeugt und der Link im Beitrag führt zu einer betrügerischen Investitionswebsite.
Wie können Sie sich schützen?
So wie sich die Krypto-Branche ständig weiterentwickelt, entwickeln sich auch die Technologien und Methoden der Betrüger weiter. Deshalb ist es wichtig, die grundlegenden Betrugsarten zu kennen, ihre Warnsignale erkennen zu können und bei jedem verdächtigen Angebot vorsichtig zu bleiben. Dieselbe Vorsicht ist jedoch auch bei traditionellen Finanzinstrumenten erforderlich.
Hier finden Sie einige Tipps zum Schutz Ihrer Mittel:
- Überprüfen Sie vor dem Versenden von Kryptowährungen den Empfänger, das Unternehmen und die Website. Klicken Sie nicht auf Links in unerwarteten Nachrichten und senden Sie kein Geld unter Zeitdruck.
- Suchen Sie nach dem Namen der Person, des Unternehmens oder des Projekts zusammen mit Begriffen wie „Betrug“, „Bewertung“ oder „Beschwerde“. Vertrauen Sie keinen Versprechen garantierter Renditen und senden Sie keine Kryptowährungen an Personen, die Sie nur aus dem Internet kennen.
- Wenn Ihnen jemand mit der Veröffentlichung persönlicher Informationen droht und eine Zahlung in Kryptowährung verlangt, zahlen Sie nicht und kontaktieren Sie die Polizei.
- Schützen Sie Ihre Konten mit starken, einzigartigen Passwörtern und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Geben Sie Ihre Anmeldedaten niemals an andere Personen weiter.
- Bewahren Sie Ihre Seed-Phrase an einem sicheren Ort auf und geben Sie sie niemals auf einer Website ein oder per E-Mail beziehungsweise Chat weiter. Eine seriöse Plattform wird Sie niemals danach fragen.
- Überprüfen Sie vor der Bestätigung jeder Transaktion sorgfältig die Wallet-Adresse, den Betrag und das ausgewählte Netzwerk. Krypto-Transaktionen sind in der Regel unwiderruflich, weshalb bereits ein kleiner Fehler zum Verlust Ihrer Mittel führen kann.
Fazit
Krypto-Betrugsmaschen werden immer ausgefeilter und Betrüger setzen dabei zunehmend auch künstliche Intelligenz ein. Dadurch können sie eine größere Zahl von Menschen erreichen und ihre Nachrichten oder Angebote gezielt an einzelne Opfer anpassen.
Die meisten Betrugsmaschen weisen jedoch ähnliche Merkmale auf. Betrüger erzeugen Zeitdruck, versuchen Angst oder Begeisterung auszulösen und bieten etwas an, das zu gut klingt, um wahr zu sein.
Die beste Schutzmaßnahme ist daher Vorsicht. Überprüfen Sie unerwartete Angebote und die Personen, die Sie kontaktieren, gründlich, nutzen Sie ausschließlich offizielle Kommunikationskanäle und geben Sie Ihre Seed-Phrase niemals an andere weiter.
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